Der Mamil fliegt nach Kuching zum Veloele

Mamilomat fahren ist das Golf des 21. Jahrhunderts – die Menschheit macht Fortschritte.


Freitagabend 10. Juli 2015, Changi Flughafen: das Merida sicher im neuen EVOC Sack verstaut, Unmengen von Mamil-Zubehör verpackt und eine urbane Schultertasche lässig umgehaengt. In der Lounge stopfe ich mir den Magen mit belegten Broten voll und trinke ein Glas Rotwein. Perfekter Abholservice in Kuching, Hotel Check-in in wenigen Minuten erledigt, hernach sofort zur Eröffnungsfeier des dritten Internationalen Bike Hash in Kuching. Das Fest findet im ersten Stock eines Chiew Chow Restaurants statt – besser gesagt, es hat stattgefunden. Laute und deutliche Spuren exzessiven Alkoholkonsums sind omnipräsent: umgekippte Bierbecher, tropfende Klimaanlage, Reiswein, “ni shi wo de xiao ping guo” plärrt aus den Lautsprechern, der Penang Bike Hash tanzt Gangnam-style dazu – das ist gelebte Fusion, Löffel liegen in Sauceresten, das Fleisch vertilgt, in drei grossen, rechteckigen Chromstahl-Gefaessen dümpelt Reis, egal ob weiss oder die Curry-Variante, kalter Reis mundet nicht. Selbst Schuld – man kommt nicht drei Stunden zu spät zur Eröffnungsfeier.

  
Ein paar “giving face to the local hashers gambei’s”, hernach retour ins Hotel, das Velo auspacken und zusammenbasteln, was von mehreren Schweißausbrüchen begleitet, einigermassen klappt.

   
    
 
Ersatz-Kleider packen und den ganzen Mamil-Gerümpel so herrichten, dass ich morgen ausschlafen, lange und gemütlich frühstücken und stressfrei um 11:15 zum Treffpunkt radeln kann.


Samstag 11.07.2015

Der Hash ist brutal anstrengend: viele Tragepassagen, ein paar gut gelegte, fiese T-Checks, andauernd Wurzeln und Baumstämme, die ich nicht zu bunnyhoppen vermag. Ein paar Flussdurchquerungen, welche hüfttiefe Abkühlung verschaffen, ein paar ganz harte Anstiege, den letzten über eine grob geschotterte Strasse schaffe ich nur zu Fuß. Der Trail windet sich durch satt grünen Bambus-Wald, Natur pur, mann ist das friedlich und schön. Zwanzig Minuten radle ich ganz alleine, ganz mit und bei mir, das Velo gibt Roll- und Schaltgeräusche ab, Vögel und anderes Getier sind zu hören – Orgasmatron. Auf den letzten Kilometern schließe ich zu einer anderen Gruppe auf; gleichzeitig holen mich ein paar lokale Hashers ein. Nach gefahrenen 25 und gefühlten 50 Kilometern reicht’s für heute, ich fühle mich gut aber sehr müde – kurze Dusche in der Lodge des Borneo Tribal Village, dann die üblichen, absolut widerlichen Hashzeremonien, bei denen es in erster Linie darum geht, jemanden zu verunglimpfen und ihn oder sie zu Bierkonsum zu zwingen – nicht wirklich meine Art von Humor, ich gebe mein Bestes gute Miene zum proletarischen Gedoesel zu machen. Ein zehn-gängiges Menu, Live Musik und Hektoliter-weise Bier, dann ist der Spuk vorbei, mit dem Bus retour ins Hotel.

Auf Du-Schlauch hat’s eine 5 Minuten Zusammenfassung

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Sonntag 12.07.2015

Meine müden Muskeln lassen sich ohne großen Widerstand von unerledigter Arbeit und der Neugier, Kuching zu erkundigen, überzeugen, den heutigen Ride auszulassen.

Es ist heiiiiiiiiiiiiiiiiiiissssssssss. Zur Siesta-Zeit schlendere ich durch Kuching’s Chinatown. Ein paar local food stalls haben geöffnet: kochen, servieren und essen in Zeitlupentempo; schnelle Bewegungen sind unnötig, große Ventilatoren verteilen die Hitze. Gemüse dümpelt in gelber Sauce, ölige Hühnerbeine gehen nirgendwo mehr hin, hinter Glasvitrinen wartet vorgekochtes, lauwarmes Gemüse darauf, mit Reis vermischt verspeisen zu werden. Juwelier- und Goldgeschäfte sind das Monopol chinesischer Secondos und deren Nachkommen. Der Chef im frisch gebügelten, weißen Hemd, das volle, in unnatürliches Schwarz gefärbte Haar elegant nach hinten gekämmt, beobachtet seine Angestellten mit Argusaugen, allzeit bereit, den “best deal” abzuschließen, auf dass ihm unter gar keinen Umständen ein Geschäft entgehe.

Leider sind alle Restaurants, die sich an Gwailo’s richten, geschlossen. Es ist mir ein Anliegen, lokales Business zu unterstützen – Klimaanlage und Wifi im Pullman oder Hilton muss jetzt nicht sein. Ich entdecke das James Brooke’s – genau was der Herr Doktor verschrieben hat – Gartenrestaurant in einem Fusionbau, ein dezentes Mass lokaler Dekoration, Sandwich, Limejuice, Latte und WiFi (es geht doch nicht ohne) und über Kopfhörer Bob Marley als Hintergrund. Das Kuching Pullman kriegt eine volle Breitseite auf Tripadvisor ab: das Hotel ist OK, die falsche Produktplatzierung der Accor-Gruppe dient perfekt als Ärger-Entladungs-Zielschiebe.

    

    
 
GoPro Batterien aufgeladen. Hail hail Old Nyff, der sein Boutique-Reisebüro aufgab, als jedes Reiseprogramm punkt-genau mit der Spannungsabgabe-Dauer der Batterien aller gängigen Modelle zeitgenössischer Videokameras synchronisiert werden musste. Mit leerer Batterie lässt sich nicht reisen, schon gar nicht besichtigen, nur noch die nächst-gelegene Steckdose ist interessant. Nyff konnte nicht ahnen, dass das Batterien-Problem mit dem Aufkommen kraftvoller, tragbarer, wiederaufladbarer Batterien, zwar gelöst wurde, aber das Fehlen von WiFi in der unmittelbaren Nähe von Erlebnis-Orten wesentlich grössere Zwaenge heraufbeschwor. Wozu soll man photographieren, 360 Grad panoramieren und filmen, wenn man es nicht zwecks “geliked” zu werden, binnen weniger Minuten in der Cloud in Yankeeland (die Cloud ist doch ueberall, oder?) oder auf Tencent platzieren kann?
Kleinstädte sind logistisch ein Traum: 20 Minuten Fahrzeit vom Hotel zum Flughafen, effizienter Check-in, zwei Stunden in der Lounge bei guten Mee Kolong und ereignislos mit Silkair nach Singapur retour.

Gut so, sehr gut so 🙂